Ein Vermächtnis der Schriftauslegung: Das Neue Testament von Peter Knauer SJ
Auf dieser Seite ist es mir ein besonderes Anliegen, auf das Lebenswerk meines verehrten Doktorvaters, Prof. Dr. Peter Knauer SJ (1935–2024), hinzuweisen.
Peter Knauer hat über Jahrzehnte hinweg an einer eigenständigen Übersetzung des Neuen Testaments gearbeitet. Sein Ansatz war so radikal wie bestechend: Er wollte den griechischen Urtext (Nestle-Aland) so präzise und wörtlich wie möglich im Deutschen hörbar machen.
Was diese Übersetzung auszeichnet:
- Wider die „Glättung“: Knauer verzichtet bewusst auf wohlklingende, aber unpräzise deutsche Redewendungen. Er lässt die Ecken und Kanten des Urtextes stehen, um die ursprüngliche theologische Wucht zu bewahren.
- Worttreue: Ein zentraler Begriff im Griechischen wird konsequent mit demselben deutschen Wort wiedergegeben. So werden verborgene Querverbindungen innerhalb der Evangelien und Briefe plötzlich sichtbar.
- Einladung zum Dialog: Es war Peter Knauers ausdrücklicher Wunsch, dass diese Übersetzung nicht als abgeschlossenes Denkmal verstanden wird. Er lud dazu ein, den Text herunterzuladen, mit ihm zu arbeiten und ihn kritisch zu prüfen.
In diesem Sinne möchte ich sein Erbe auf Ecks Libris weiterführen und Ihnen den Zugang zu dieser außergewöhnlichen Arbeit ermöglichen.

[Link: Hier geht es zur Homepage und zum Download der NT-Übersetzung von Peter Knauer SJ] (Hinweis: Der Link öffnet sich in einem neuen Fenster)
Auf der letzten Seite von Peter Knauers Übersetzung findet sich folgendes Nachwort:
Bewährte Regeln für Übersetzungen
Diese Übersetzung − so könnte es im Nachhinein erscheinen − entspricht in hohem Maß den Regeln, die bereits der pietistische Exeget und Übersetzer des Neuen Testaments Johann Albrecht Bengel (1687−1752) − er gilt als Begründer der Textkritik − vorgelegt hat:
- Eine Übersetzung muss sich auf einen genau revidierten Originaltext gründen.
- Die einzige wesentliche Eigenschaft einer Übersetzung ist die Ähnlichkeit mit dem Original.
- Eine Übersetzung darf nicht dunkler, aber auch nicht deutlicher; nicht schwächer, aber auch nicht heftiger; nicht härter, aber auch nicht zierlicher sein als das
Original. - Eine Übersetzung muss bei uns nicht undeutsch, sie darf aber auch nicht gar zu gut deutsch sein.
- Eine Übersetzung soll lauter und mit anderen Sprachen auf das sparsamste vermengt sein.
- Wo an einer Stelle ein einzelnes Wort, oder solche Wörter, die einerlei Stammwort haben, im Original öfters wiederholt werden; und zwar so, dass die Wiederholung sich auf das Vorhergehende, auch nach einer guten Weile, bezieht, so muss die Übersetzung so viel wie möglich auch mit einerlei Wort bestritten werden. Hingegen, wo in dem Original unterschiedliche Worte sind, da soll die Übersetzung auch unterschiedliche Worte führen.
- Eine Übersetzung muss der Rede keine andere Emphase oder Nachdruck geben, als es im Original ist; hingegen aber auch wahre Emphasen nicht unterschlagen.
- Eine Übersetzung muss bei der Ordnung der Worte bleiben, soviel es die Muttersprache verträgt.
- Eine Übersetzung soll die Artikel, Pronome, Partikel, Tempora, Verben in der Medialform und anderes bald mit einer verständigen Freiheit, bald auf das genaueste auflegen.
- Gerade so gilt dann mit Bengel:
„Wende dich ganz dem Text zu – die ganze Sache wende auf dich an [Te totum applica ad textum − rem totam applica ad te].“

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